8 Jun 2026
EuGH-Entscheidung eröffnet Weg für Rückerstattungsklagen bei illegalem Online-Glücksspiel

Der Europäische Gerichtshof hat in einem wegweisenden Verfahren klargestellt, dass EU-Bürger Online-Glücksspielanbieter auf Erstattung von Verlusten verklagen können, die während Zeiten entstanden, in denen solche Aktivitäten im Heimatland verboten waren, und zwar auch dann, wenn nationale Regelungen später liberalisiert wurden.
Der zugrunde liegende Fall aus Deutschland
Ein deutscher Kläger hatte zwischen Juni 2019 und Juli 2021 Online-Slots sowie Lotterie-Wetten bei ausländischen Anbietern platziert, zu einer Zeit als Online-Casino-Glücksspiel in Deutschland untersagt war. Nachdem die nationalen Gesetze sich veränderten, reichte der Betroffene eine Klage auf Rückerstattung der Verluste ein. Das Verfahren gelangte schließlich vor den EuGH, der nun die rechtliche Grundlage für solche Ansprüche bestätigte.
Die Richter stellten fest, dass Mitgliedstaaten weiterhin das Recht besitzen, Glücksspiel einzuschränken, und dass frühere Rechtswidrigkeit Entschädigungsansprüche ermöglicht. Beobachter betonen, dass diese Position auf bestehenden EU-Verträgen beruht, die Verbraucherschutz und nationale Kompetenzen miteinander verbinden.
Kernpunkte des EuGH-Urteils
Das Gericht entschied, dass Verbraucher aus EU-Staaten Schadensersatz verlangen dürfen, wenn Anbieter während verbotener Phasen tätig waren. Nationale Gerichte müssen solche Klagen prüfen, ohne dass spätere Gesetzesänderungen rückwirkend die damalige Illegalität aufheben. Die Entscheidung bezieht sich ausdrücklich auf grenzüberschreitende Dienstleistungen und stärkt die Position von Klägern gegenüber Betreibern mit Sitz in anderen Mitgliedstaaten.
Laut der Pressemitteilung des EuGH zum Verfahren mit Bezug auf C-440/23 und verwandte Verfahren bleiben mitgliedstaatliche Beschränkungen zulässig, solange sie verhältnismäßig und nicht diskriminierend ausgestaltet sind. Deutsche Gerichte haben damit eine klare Anleitung, wie sie vergleichbare Fälle behandeln sollen.
Rechtliche Konsequenzen für Anbieter und Spieler
Betreiber mit Lizenzen aus Malta oder anderen EU-Ländern sehen sich nun mit potenziellen Rückforderungen konfrontiert, wenn sie in der fraglichen Zeit deutsche Kunden bedienten. Experten weisen darauf hin, dass die Urteilsbegründung Verbraucherschutzvorschriften in den Vordergrund rückt und gleichzeitig die Kompetenz der Mitgliedstaaten zur Regulierung des Glücksspiels bestätigt. In der Praxis bedeutet dies, dass Klagen auf Erstattung von Verlusten aus der Zeit vor der deutschen Regulierung 2021 zulässig bleiben.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der im Juni 2026 weitere Diskussionen über die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags anstehen. Gerichte in verschiedenen Bundesländern bereiten sich bereits auf eine mögliche Zunahme entsprechender Verfahren vor. Statistiken aus früheren ähnlichen Fällen zeigen, dass Verbraucherklagen in diesem Bereich häufig auf Grundlage von Verbraucherschutzrichtlinien erfolgreich verlaufen.
Auswirkungen auf andere EU-Mitgliedstaaten
Das Urteil gilt unionsweit und eröffnet Bürgern aus Ländern mit zeitweiligen Verboten ähnliche Möglichkeiten. Behörden in mehreren Mitgliedstaaten beobachten die Entwicklung genau, da vergleichbare Regelungslücken bestehen könnten. Die EuGH-Richter betonten, dass die Entscheidung keine generelle Liberalisierung fordert, sondern lediglich den Schutz von Verbrauchern in illegalen Phasen sicherstellt.
Rechtsanwälte berichten, dass bereits erste Anfragen von Betroffenen eingehen, die zwischen 2019 und 2021 online gespielt haben. Die Verfahren dürften sich über mehrere Instanzen ziehen, da Anbieter voraussichtlich gegen Erstattungsbeschlüsse vorgehen werden. Nationale Gesetzgeber prüfen derzeit, ob Anpassungen der bestehenden Regelungen notwendig sind, um künftige Unsicherheiten zu vermeiden.
Zusammenfassung der Entwicklung
Die EuGH-Entscheidung schafft eine einheitliche Rechtsgrundlage für Rückerstattungsklagen in der gesamten Union. Deutsche Spieler, die in der genannten Periode Verluste erlitten haben, können nun mit größerer Sicherheit vor Gericht ziehen. Gleichzeitig behalten die Mitgliedstaaten ihre Befugnis, den Zugang zu Glücksspielangeboten zu steuern und zu begrenzen. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, wie nationale Gerichte die Vorgaben des EuGH in konkreten Verfahren umsetzen.